Feststellung einer LRS und Fördermaßnahmen:

Zur Minderung der aus einer Lese- und Rechtschreibschwäche resultierenden Nachteile, müssen Fördermaßnahmen der Schule für die betroffenen Kinder angeboten werden:

Ziffer 2 VV Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten in der Grundschule:
2.1 Für die Schule leitet sich daraus die Verpflichtung ab, jedes Kind mit dem ihm angemessenen Hilfen zu fördern, sobald sich Lernprobleme abzeichnen.
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2.3 Die Förderung kann klassenbezogen, gruppenbezogen oder individuell ausgerichtet sein.
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Ziffer 3 VV Förderung von Schülerinnen und Schlern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben:
3.1 Aus dem schulgesetzlichen Auftrag der individuellen Förderung (§ 10 Abs. 1 Satz 1 SchulG) leitet sich für die Schule die Verpflichtung ab, Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben frühzeitig zu erkennen. Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben werden auf der Grundlage frühdiagnostischer Beobachtungen individuelle Förderpläne als Teil des schulischen Förderkonzepts entwickelt und im Rahmen des individuell fördernden Unterrichts als besondere Förderung umgesetzt.
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3.3 Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben sind besondere Unterstützungsprogramme wie Intervallförderung oder Förderung in Zusatzkursen möglich. Über die Gruppengröße und den zeitlichen Umfang entscheidet die Schule in eigener Verantwortung.
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Die Feststellung einer LRS zum Zwecke der Einleitung von Fördermaßnahmen ist deshalb so bedeutsam, weil hierdurch

  • zum einen eine tatsächliche Verbesserung der Situation herbeigeführt werden kann,
  • zum anderen sich hieraus aber auch Voraussetzungen für besondere Rechte ergeben, was die Leistungsbeurteilung, die Versetzung und auch die Grundschulempfehlung betrifft.

Insofern lohnt es sich, bei Anhaltspunkte die nachfolgenden Punkte notfalls durchzufechten (vgl. Rechtsschutz), da es widrigenfalls streitig werden kann, ob man die vorbenannten Privilegien trotzdem erhält.

a. Teilnahmerecht:

Besondere Relevanz erlangt in diesem Zusammenhang regelmäßig die Frage, ob der jeweilige Schüler als besonders förderungsbedürftig eingeschätzt wird. Hierzu treffen die vorbenannten Verwaltungsvorschriften ebenfalls Regelungen:

Ziffer 2 VV Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten und Lernstörungen in der Grundschule:
2.5 Zuständig für die Förderung ist die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer. Sie oder er entscheidet über Art und Dauer durchzuführender Fördermaßnahmen im Benehmen mit allen an der Förderung Beteiligten.

Ziffer 3 VV Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben:
3.4 Die Klassenleitung oder nach Beauftragung durch die Schulleitung die Klassenleitung zusammen mit der Fachlehrkraft Deutsch ist für die Koordination der besonderen Förderung zuständig. Sie entscheidet im Benehmen mit den Eltern, in Absprache mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, mit den jeweiligen Lehrkräften im Fach Deutsch und den anderen an der Förderung beteiligten Lehrkräften, bei
Bedarf auch unter Einbeziehung außerschulischer Personen und Institutionen über Notwendigkeit, Art und Dauer der besonderen Förderung. Sie ist für Rückmeldungen an die Beteiligten verantwortlich.

b. Die Beendigung besonderer Fördermaßnahmen:

Noch problematischer als die Frage einer Teilnahme an Fördermaßnahmen ist deren Beendigung. Der Schüler wird durch die Beendigung der Fördermaßnahmen nämlich faktisch in ein tiefes Loch geworfen, denn jedwede Beendigung von Fördermaßnahmen hat selbstverständlich eine erhebliche Verunsicherung zur Folge.

In Rheinland-Pfalz bestehn - im Gegensatz zu anderen Bundesländern - keine ausdrücklichen Regelungen, die die Beendigung der Fördermaßnahmen zum Inhalt haben. Vielmehr suggerieren die Vorschriften, daß die Förderungen als dauerhafte gedacht sind:

Ziffer 2 VV Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten und Lernstörungen in der Grundschule:
2.8 Ist trotz intensiver Förderhilfen kein Lernzuwachs festzustellen, sollten die gewählten Methoden bzw. das Förderkonzept überprüft werden. In Einzelfällen ist allerdings nicht auszuschließen, daß Förderung an Grenzen stößt.
2.9 Für Schülerinnen und Schüler, deren besondere Lernschwierigkeiten und Lernstörungen innerhalb der Grundschulen nicht behoben werden konnten, können in der Sekundarstufe I, insbesondere in der Orientierungsstufe, geeignete Fördermaßnahmen fortgfeührt werden.

Ziffer 3 VV Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben:
3.6 ... Die Schülerinnen und Schüler müssen die in der Regel verschiedenen und aufeinander aufbauenden besonderen Fördermaßnahmen als eine dauerhafte und verläßliche Unterstützung erfahren können.

Hiernach wird die Bendigung von Fördermaßnahmen schon nach Sinn und Zweck der Normen in Rheinland-Pfalz nur in absoluten Ausnahmefällen als zulässig angesehen werden, wenn die Schüler diese nicht mehr benötigen.

In Fällen der Beendigung sollte man jedenfalls immer sehr vorsichtig sein, ob man sich nicht dagegen wehren sollte, da der Förderunterricht eine Hilfe und keine Strafe darstellt. Zudem ist zu erwarten, daß nach Beendigung der Fördermaßnahmen die hierauf aufbauenden Privilegien bei der Leistungserfassung, der Versetzung und der Grundschulempfehlung von der Schule dann erst einmal nicht mehr beachtet werden (was natürlich nicht heißen muß, daß das auch zulässig ist, streitig und risikoreich ist es aber allemal). Zum Rechtsschutz in solchen Fällen, betätigen Sie bitte den vorstehenden Link.

Für weitergehende Fragen hierzu, eine telefonische Erstberatung zu Ihrem konkreten Fall oder die deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

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