LRS und Leistungsfeststellung/ Leistungsbeurteilung:

Eine Folge einer LRS sind gewisse Privilegien bei der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung.

Hierzu treffen die Verwaltungsvorschriften in Rheinland-Pfalz folgende Regelungen:

VV Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten und Lernstörungen in der Grundschule:
4.1 Maßnahmen der Leistungsbeschreibung und -beurteilung müssen dem grundsätzlichen Förderungsanspruch entsprechen. Sie orientieren sich an
- den individuellen Lernvoraussetzungen und Lernwiderständen,
- den erreichten Le3rnfortschritten sowie
- den zu erreichenden Zielvorgaben.
4.2 Die Leistungsbeurteilunbg des geförderten Kindes erfolgt deshalb in vielfältigen Formen. Sie bezieht die individuellen Lernfortschritte mit ein, sie beachtet die Lehrplanvorgaben und berücksichtigt die Gruppe, in der die Leistung erbracht wurde (Klasse, Fördergruppe).
Ist trotz gezielter Förderung eine anforderungs- und gruppenbezogene Leistungsbeurteilung in Form von Noten pädagogisch nicht geboten, weil sie die Entwicklung von Leistungsfähigkeit behindert, kann der individuelle Lernfortschritt verbal beschrieben werden, wenn die Eltern zustimmen.

VV Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben:
4.1 Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben unterliegen in der Regel den für alle Schülerinnen und Schüler geltenden Maßstäben der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung. Hilfen im Sinne des Nachteilsausgleichs und das Abweichen von den Grundsätzen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung sind bei Schülerinnen und Schülern mit besonders und lang anhaltenden Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu gewähren. Sie sollen nach Möglichkeit unter Fortführung von Förderung nach und nach wieder abgebaut werden.
4.2 Vorrangig vor dem Abweichen von der allgemeinen Grundsätzen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung sind Hilfen im Sinne eines Nachteilsausgleichs vorzusehen, z.B.
- Ausweiten der Arbeitszeit, z.B. bei schriftlichen Arbeiten.
- Bereitstellen von technischen und didaktischen Hilfsmitteln.
4.3 Als Abweichungen von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung kommen insbesondere in Betracht:
- Einordnen der schriftlichen und mündlichen Leistung unter dem Aspekt des erreichten Lernstands mit pädagogischer Würdigung,
- stärkere Gewichtung mündlicher Leistungen und anderer nicht schriftlicher Leistungen, insbesondere in Deutsch und anderen Fremdsprachen,
- zeitweiser Verzicht auf die Bewertung der Lese- und Rechtschreibleistung in allen betroffenen Unterrichtsgebieten,
- Nutzung des pädagogischen Ermessensspielraums und zeitweiser Verzicht auf die Bewertung von Klassenarbeiten und anderen schriftlichen Leistungsnachweisen während der Förderphase,
- verbale Beschreibung des Lernfortschritts anstelle oder ergänzend zu einer Bewertung nach dem Notensystem,
- verbale Bewertung der Rechtschreibeleistung bei Schreibaufgaben.
Alle Abweichungen von den üblichen Beurteilungsregelungen müssen in den individuellen Förderplänen der Schülerinnen und Schüler festgelegt sein und durch die Klassenkonferenz beschlossen werden.

Wie sich aus dem Wortlaut der Norm ergibt, gibt es keine festen Regeln für die Privilegien. Im Ergebnis liegt wird man deshalb im Einzelfall immer genau beobachten müssen, ob die unbestimmten Rechtsbegriffe ordnungsgemäß ausgefüllt bzw. das Ermessen ordnungsgemäß ausgeübt wurde.

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