Erkrankung & Schule:

Erkrankung & Schule - Schulpflicht:

Wer krank ist, kann natürlich nicht am Schulunterricht teilnehmen; die Schulpflicht wird dadurch durchbrochen.

Allerdings ist die Erkrankung ein formaler Akt, der die Beachtung von normativen Vorgaben voraussetzt, will man keinen Ärger bekommen (siehe unten).

Erkrankung & Schule - typisches Konfliktpotential:

Ein typischer Konflikt liegt demnach zunächst im Bereich der Schulpflicht begründet, wenn behauptet wird, die Entschuldigung sei zu spät/gar nicht angekommen, sie sei nicht ausreichend, man benötige ein ärztliches oder gar amtsärztliches Attest usw.

Neben Verstößen gegen die Schulpflicht, sind rechtliche Auseinandersetzungen oftmals auch im Zusammenhang mit Klassenarbeiten zu verzeichnen, die während der Erkrankung geschrieben wurden. Oftmals wird behauptet, Entschuldigungen seien nicht ausreichend, sie seien nicht rechtzeitig oder gar nicht (!) abgegeben worden usw. Wegen nicht entschuldigten Fehlens versuchen Schulen dann mitunter die Note "6" zu vergeben.

Für eine telefonische Erstberatung zu ihrem konkreten Fall oder eine deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

Errankung & Schule & Normen:

Formale Regelungen hierzu treffen § 22 Schulordnung für öffentliche Grundschulen und § 37 Übergreifende Schulordnung:

§ 22 Schulordnung für öffentliche Grundschulen:
(1) Sind Schülerinnen und Schüler verhindert, am Unterricht oder an sonstigen für verbindlich erklärten Schulveranstaltungen teilzunehmen, so ist die Schule vor Unterrichtsbeginn zu informieren. Eine begründete schriftliche Entschuldigung ist spätestens am dritten Tag vorzulegen. Die zusätzliche Vorlage von Nachweisen, in besonderen Fällen von ärztlichen, ausnahmsweise von schulärztlichen Attesten, kann verlangt werden. Unabhängig von weiteren Maßnahmen auf Grund des Schulgesetzes sind bei unentschuldigtem Fehlen die Eltern unverzüglich zu benachrichtigen.
(2) Das Fernbleiben vom Unterricht und von sonstigen schulischen Pflichtveranstaltungen wird in der Klassenliste oder im Klassenbuch festgehalten.

§ 37 übergreifende Schulordnung:
(1) Sind Schülerinnen und Schüler verhindert, am Unterricht oder an sonstigen für verbindlich erklärten Schulveranstaltungen teilzunehmen, haben sie oder im Falle der Minderjährigkeit die Eltern die Schule unverzüglich zu benachrichtigen und die Gründe spätestens am dritten Tag schriftlich darzulegen. Die zusätzliche Vorlage von Nachweisen, in besonderen Fällen von ärztlichen, ausnahmsweise von schulärztlichen Attesten, kann verlangt werden. Bei unentschuldigtem Fernbleiben eines minderjährigen Schülers sind die Eltern unverzüglich zu benachrichtigen.
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Krankheit & Schule - praktische Folgen:

Was tun – Entschuldigungspflicht?

  • Wer krank ist, muß sich entschuldigen und zwar nach den Normen unter Angabe des Grundes. Zumindest die Angabe des genauen Grundes ist nach meiner Auffassung unzulässig, da dies in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Schülers eingreift. Auch im Arbeitsverhältnis erfährt der Arbeitgeber nur, daß jemand krank ist und wie lange dies voraussichtlich ist, nicht aber den konkreten Grund, d.h. die Krankheit (den Durchschlag des „gelben Scheins“, auf dem der Grund benannt ist, erhält nur die Krankenkasse, nicht der Arbeitgeber). Eine Ausnahme wäre allenfalls denkbar, wenn der Schüler gefährliche Krankheiten hat, die möglicherweise gar meldepflichtig sind.
  • Ansonsten wird es ausreichen, beispielsweise wie folgt zu formulieren: „Der Schüler xy ist bis voraussichtlich… krank. Mit freundlichen Grüßen“

Wer schreibt die Entschuldigung?

  • Schüler unter 18 Jahren werden nach wie vor ihre Eltern bemühen müssen.

Muß der Schüler zum Arzt?

  • Grundsätzlich Nein.
  • Nur "in besonderen Fällen" benötigt er ein ärztliches Attest und nur "ausnahmsweise" ein schulärztliches Attest.
  • Von sich aus muß zuvor aber niemand zum Arzt und es ist im Einzelfall zu prüfen, ob das im Ermessen stehende Verlangen der Schule gerechtfertigt ist (bspw. wer einen Gips hat, hat bekanntermaßen einen Gips. Das noch vom Arzt bestätigt zu verlangen wäre nach meiner Auffassung Schikane).

Bis wann muß man sich entschuldigen?

  • Für die weiterführenden Schulen gilt, daß sich die Schüler unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern entschuldigen müssen.
  • Für die Grundschulen wurde die Pflicht zur Entschuldigung nunmehr sogar auf den Zeitpunkt vor Unterrichtsbeginn (!) vorverlegt.

Wie muß man sich entschuldigen?

  • Wie in anderen Bundesländern, so sollte auch in Rheinland-Pfalz das gesamte Spektrum kommunikativer Möglichkeiten nutzbar sein: Mündlich, fernmündlich (Telefon), elektronisch (E-Mail) oder schriftlich (Brief), also im Ergebnis alle derzeit denkbaren Möglichkeiten. Vorsorglich sollte man dies aber bei der betreffenden Schule abgleichen, damit es nicht zu unnötigem Ärger kommt.
  • Zu beachten ist allerdings, daß spätestens binnen drei Tagen eine schriftliche Mitteilung nachzureichen ist, um den Adressaten genauer zu identifizieren.

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